Neoprog, die Zweite.
Der Begriff Progrock stand bis vor einigen Jahren für Altherrenrock, ellenlange Songs, Konzeptalben und Genesis. Was Phil Collins nach seiner Genesis-Zeit so getrieben hat, kennt wohl jeder mehr oder weniger freiwillig. Andere Prog-Urväter wie Rush oder Dream Theater haben schon seit Lichtjahren kein wirklich gutes Album mehr veröffentlicht. Nun liegt es also an deren Nachfolgern, der verstaubten Schublade neues Leben einzuhauchen. Namentlich sind dies vor allem die genialen Oceansize und Amplifier, das nach eigenen Angaben „Loudest three-piece in the world“. Laut sind sie immer noch, vor allem live. Ein klein wenig wenige bombastisch geht es auf der neuen Scheibe „Insider“ zu und her. Natürlich spielen Amplifier immer noch Breitwandrock, hauen uns Riffs im Minutentakt um die Ohren und dehnen die Songs auf sechs Minuten und mehr. Im Vergleich zum selbstbetitelten Erstling fehlt aber etwas. Die Naturgewalt von „Motorhead“ etwa. Oder der minutenlange, spacige Aufbau und das entladende Monsterriff von „Airborne“. Dafür verzichtet man gerne mal auf Gesang (Gustav’s Arrival“) oder verwendet eine Schreibmaschine als Rhythmusinstrument („Procedures“).

Was aber im Gegensatz zu den Kollegen von Oceansize aubleibt, sind die Melodien. Die sind zwar vorhanden, hangen bleiben tun sie aber nicht. Mit der Zeit wirken die sich doch sehr gleichenden Songs etwas ermüdend. Zündende Ideen sind selten zu finden. Zudem scheinen die Songs zum Teil etwas künstlich in die Länge gezogen, gipfeln oft in minutenlangen Wiederholungen, ohne dass, abgesehen von Tempiwechsel, wirklich etwas passiert. Was dem Dreier hoch anzurechnen ist, ist die Produktion. Diese hört sich angenehm transparent und keineswegs zu gross für eine Dreimannband an. Zum Schluss wird dann aber doch noch ein kleines, siebenminütiges Feuerwerk gezündet. „Map Of An Imaginary Place“ ist ein hervorragender Song, von dessen Kaliber zwei, drei weitere wünschenswert gewesen wären. Amplifier sind eine gute Band, gar keine Frage. Auf Albumlänge langweilen sie jedoch relativ schnell.

5/10

Ähnliche Interpreten:
Oceansize
Tool
Chevelle

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