16. April 2005
THE ROBOCOP KRAUS - Interview in der Bosch-Bar (Zürich), 04.04.2005

The Robocop Kraus bezeichnen sich zwar selbst als Landeier, spielen aber sehr urban klingende, äusserst tanzbare, mit Einflüssen von Talking Heads über The Fall bis hin zu The Make Up oder Les Savy Fav gespickte Musik, wie man sie sonst eher mit New York verbindet als mit Hersbruck, dem Kaff in der Nähe von Nürnberg. Als Band mit waschechten Punk/HC-Background sind die Robos darauf bedacht, möglichst oft und überall zu spielen, und so zog es sie schon früh weg aus der fränkischen Schweiz, nach Osteuropa, nach Japan, in die USA. Allmählich und wohl auch dank der Unterstützung des neuen Labels L'Age d'Or (u.a. Tocotronic), bei welchem sie mit dem letzten Album "Living With Other People" gelandet sind, steigt ihr Bekanntheitsgrad an. Mit dem kommenden Album, das die Fünf in Stockholm mit Pelle Gunnerfeldt eingespielt haben, sollte sich dies noch verstärken.
BANDS: Ihr seid gerade auf Tour, letzte Woche wart ihr in Frankreich und Spanien, jetzt Schweiz, Deutschland und Österreich. Wo läufts für euch eigentlich besonders gut?
Matthias: Deutschland und Frankreich sind ganz gut
Thomas: Und in der Ukraine!
Tobias: Ne, das war glaub ich in Litauen!? Ein Musikmagazin hat uns da zur zweitbesten Single des Jahres gewählt mit „Fake Boys“. Gespielt haben wir aber noch nie dort...
BANDS: Eure ersten Veröffentlichungen erschien auf dem Label von Thomas und Johannes "Swing Deluxe", dann seid ihr bei "Day After" aus Tschechien gelandet. Wie kam's schliesslich dazu, dass ihr jetzt bei "L'Age d'Or" (Lado) seid?
Tobias: Wir waren nicht unzufrieden mit der Arbeit von Day After, das ist ein sehr feines Indie-Label welches weltweit Kontakte hat. Aber für Deutschland war irgendwann was Grösseres schon angebracht. Da war dann eine Praktikantin bei Lado, die Kathrin Altmeier, die uns halt ganz schön toll fand und alle genervt hat indem sie immer unsere Platte gespielt hat. Der Carol (Boss von Lado) fand uns zuerst gar nicht so gut und musste sich ziemlich überreden lassen.
Thomas: Nicht von uns...
Tobias: Nö, von der Kathrin. Vor 3 Jahren haben wir dann auf der Popkomm gespielt, auf so ner kleinen Alternativveranstaltung. Und da waren die halt im Publikum, das hat den Stein ins Rollen gebracht. Wir hatten ja auch gewisse Berührungsängste, denn Lado ist halt schon recht klar positioniert, so Hamburger Schule, deutscher indie halt, da sehen wir uns nicht so ganz. Wir haben uns dann aber getroffen und merkten dass wir schon ähnliche Ansätze haben und so haben wir die Platte dann mit ihnen gemacht.
BANDS: Und der Carol findet euch jetzt super?
Tobias: Klar, der findet uns toll, ruft uns 5mal täglich an, beim Skifahren in Davos und so Zeugs. Wir haben uns richtig angefreundet
BANDS: Auch mit der Szene, für die Lado steht?
Tobias: In der Realität ist das ja gar nicht so eindeutig. Diese Schubladen existieren ja eigentlich gar nicht. Lado ist letztlich einfach eine exzellente Plattenfirma die im deutschsprachigen Raum gut Platten rausbringen kann und das ist auch für uns gut...
BANDS: Zu welcher Szene zählt ihr euch denn?
Thomas: Hersbrucker Schule? (alle lachen)
Wir sind ja richtige Landeier und da gab’s schon so 'ne Community, viele Bands, unser Label. Sonst kommen wir eher aus Punk/Hardcore-Kreisen, hatten ernstere Postrock-Bands (z.B. Maggat, bei denen Tobi und Matthias spielten). Ist ganz schwierig, sich irgendwo einzuordnen... Alle Bands wollen ja immer möglichst gar nicht verglichen werden,die sind ganz speziell, das ist bei uns natürlich auch so (lacht). Auf Tour ist es interessant. In Deutschland ist’s jetzt schon am "übergreifendsten", da haben wir früher viel Punkrock-Shows gespielt, jetzt ist es ganz gemischt. Punks, Indie-Kids, Tocotronic- oder Tomte-Fans. In Frankreich hingegen haben wir immer noch einen richtigen Punkrock-Status, unser Booker ist ein richtiger DIY-Typ, da läuft auch alles so Non-Profit-mässig. In Spanien waren wir dafür mit einer richtig grossen Booking-Agentur unterwegs die 2 Tage zuvor Nancy Sinatra gemacht hat und eine Woche vorher Le Tigre. Da kosten dann auch die Shows doppelt so viel. Da müssen wir schon aufpassen, dass es fair bleibt. Wir fühlen uns mit unserem Punkrock-Hintergrund ganz wohl und möchten auch schauen dass die Preise tief bleiben.
BANDS: Lebt ihr von der Musik?
Tobias: Wir versuchen’s! Dieses Jahr setzen wir wirklich alles daran, weil sonst auch nichts mehr geht. Die Band beansprucht die meiste Zeit und lässt wenig Zeit für anderes. Irgendwann werden wir aber sicher wieder irgendwelche Geldjobs machen müssen, wenn wir nicht auf Tour sind. Geld verdienen wir ja eigentlich nur mit Konzerten, mit Plattenverkäufen geht für eine mittelgrosse Gitarrenband fast gar nichts.

BANDS: Platte ist ein gutes Stichwort. Ihr wart in Stockholm bei Pelle Gunnerfeldt (Gitarrist von Fireside, Produzent von The Hives, Logh uvm.) und habt dort eure neuste Platte aufgenommen. Wie klingt sie denn?
Tobias: Gut! Ich bin zufrieden wie noch nie, es ist eine gute Essenz aus ihm und uns.
BANDS: Was ist Pelle's Einfluss auf dem Album?
Tobias: Wir hatten zwar am Anfang den Wunsch nach einem richtigen Produzenten, der uns auch bei dem Arrangements hilft, aber am Schluss haben wir die Songs so aufgenommen wie sie schon waren. Pelle hat uns soundmässig mit viele kleinen feinen Ideen sehr geholfen.
BANDS: Gibt es Veränderungen bei den Songs selber?
Tobias: Wir haben diesmal viel Zeit gehabt, Dinge anders anzugehen, auch vom Songwriting her. Früher haben wir immer alle fünf gejammt, daraus entstanden dann die Songs. In den letzten 2 Jahren waren bei den Proben - bedingt durch private Sachen wie Studium beenden, umziehen und so Zeugs - oft nicht alle Leute im Proberaum, da kamen auch manchmal Ideen von einem Einzelnen. Was man auf jeden Fall merkt, ist dass die Songs reduzierter sind, es geht jetzt um eine signifikante Melodie oder um einen Beat.
Thomas: Ne, also zwei sind’s schon! Überleg mal, bei der neuen Daft Punk gibt’s eine Idee pro Song, dann sind’s bei uns schon etwa zwei bis zweieinhalb! (lacht)
Tobias: Ok, aber nicht mehr acht wie bei den alten Platten...
Thomas: Na da waren's höchstens drei...
Tobias: Ok, ist ja auch egal... Wenn man lange Musik macht dann kommt man an den Punkt, wo man reduzierter spielen möchte, Dinge auf den Punkt zu bringen versucht. Das hört sich jetzt nicht an wie AC/DC, aber es sind nicht mehr so viele Ideen nur der Idee halber auf dem Album.
BANDS: Wann kommt die Platte?
Tobi: Im Juni. Jetzt haben wir aber schon die neue EP dabei mit zwei Songs vom neuen Album (wovon sich der erste, "In Fact You're Just Fiction" bereits zu meinen Robocop Kraus-Lieblingssong gemausert hat! Anm. d. Verf.) sowie einem unveröffentlichten Stück, das wir nach der letzetn Platte aufgenommen haben. Und wir haben zum ersten Mal einen Live-Track auf die EP gepackt, "Modern Attraction" vom zweiten Album "Tiger". Zudem ist ein Video zum ersten Song auf der EP, welches Bekannte von uns aus Nürnberg realisiert haben.
BANDS: Wie lange wart ihr in Stockholm?
Thomas: 5 Wochen lang.
BANDS: Wo habt ihr da gewohnt?
Tobias: In einer Baustelle über dem Studio. Die wollen da eine Wohnung für die Künstler bauen, waren aber mit der Renovierung noch nicht fertig. Das Studio ist im Keller eines 10-stöckigen Hauses und die haben darin ein Apartment angemietet.
Thomas: Künstlerwohnung nennt man das und so sahs auch aus (lacht). Rausgerissene Böden, Sägespäne, Müll. Kreatives Chaos könnte man dem sagen!
Tobias: Kreatives Staublungenchaos! Dafür wars aber günstiger...
BANDS: Gutes Stichwort. Ich nehme an, dass der Gunnerfeldt nicht ganz billig zu haben ist?
Tobias: Der hat uns aber einen unglaublich guten Preis gemacht! Wobei auch der volle Preis für einen seiner Liga noch ganz passabel ist.
Thomas: Der hat ja bevor wir kamen eben gerade Status Quo gemischt!
BANDS: Gefällt ihm das?
Thomas: Der ist absoluter Fan von denen. Van Halen würde er aber fast noch lieber machen!
BANDS: Ihr habt gesagt, ihr hättet gerne einen „richtigen“ Produzenten gehabt. Warum war’s dann doch nicht so?
Hans Christian: Er hat gesagt, dass er die Arrangements super findet und da gar nichts verändern möchte.
Thomas: Da waren wir dann mächtig stolz. Der redet ja eigentlich nichts. Erst nach zehn Tagen, als wir Abends mal ziemlich besoffen waren, sagte er so richtig bierselig: Ich habe zu viel Respekt vor euren Arrangements, ich möchte da gar nichts ändern.
Tobias: Da wusste dann keiner von uns mehr was sagen. Wir haben alle peinlich berührt auf den Boden geschaut...
BANDS: Und nachher wart ihr noch motivierter?
Tobias: Da war ja die Platte eigentlich fast schon eingespielt ... Zuvor war’s nicht so, dass wir jetzt überhaupt nicht wussten woran wir sind und dass wir so rumgetuschelt hätten „meinste der findet uns voll blöd?“ oder so. Es war schon ein guter Prozess, dass wir dann noch die Bestätigung gekriegt haben war natürlich super.
Thomas: Es sind ja zwei Typen im Studio. Der Pelle ist halt so ein typischer Schwede, der sagt nix. Der kommuniziert mehr so mit Zeichensprache, wenn ein Mix fertig ist sagt er nicht „Jetzt ist ein Mix fertig“, sondern er meint so „mmmhmmmh, listen“ (lacht). Der zweite ist Johan, der Bassist von Randy, der ist der kommunikativere von beiden. Die reden dann so zusammen auf Schwedisch und dann übersetzt der Johan. Das ist 'ne richtige Symbiose und die machen das echt gut die beiden.
Wir haben ja zuvor gar nie eine richtige Anwtort gekriegt ob sie’s jetzt machen oder nicht, wir wussten eigentlich nicht was uns erwartet. Im Internet haben wir dann versucht ein bissel was über sie rauszukriegen und da heiss es dann, dass der nie reden würde und so.... Aber es war voll super, er tut sich einfach schwer mit anderen zu kommunizieren. Er hat seinen Laptop Johan verschenkt, weil er 40 unbeantwortete Mail hatte!! Er sagt selbst von sich „I have a social problem“ So ist er halt, aber er arbeitet sehr gerne an und mit der Musik und das war wirklich super.
BANDS: Warum habt ihr eigentlich ihn ausgesucht
Matthias: Wir waren mit seiner Arbeit eigentlich gar nicht so vertraut, ich hab glaub keine einzige Platte die er gemacht hat, kannte weder Firesdie noch Hives noch so was.
Tobias: Der wurde mehr an uns herangetragen von einem Bekannten von uns. Wir hatten mehrer Namen auf der Liste, der Pelle war nicht mal ganz oben.
BANDS: Wer war sonst noch auf der Liste?
Thomas: Phil Ek, aus Seattle (Built To Spill, Shins, Les Savy Fav, Modest Mouse, Halo Bender). Der wär aber viel zu teuer geworden. Den Guy Picciotto von Fugazi haben wir auch angeschrieben.
Tobias: Der hätt’s vielleicht gemacht, wenn wir aus Washington DC wären. Aber übersiedeln nach DC wollten wir dann doch nicht. (lacht)
BANDS: Habt ihr von ihm eine Antwort gekriegt?
Thomas: Ja klar, der ist superkommunikativ. Hat uns eine lange Antwort geschickt, dass er es super fände aber er sehe sich gar nicht so als Produzent und er macht das eigentlich nur für Freunde... Als feststand, dass wir mit Pelle arbeiten werden, haben uns dann auch sein ganzes Zeug angehört. Ich war vorher nicht so Fan der Hives, aber was der mit ihnen gemacht hat macht einfach voll Sinn und jetzt find ich’s auch super.
BANDS: Hattet ihr Kontakt mit anderen schwedischen Bands?
Tobi: Wir haben die Leute von LOGH getroffen, auf der Releaseparty ihres neuen Albums "A Sunset Panorama" und haben noch was getrunken mit denen. Sehr nette Jungs!
BANDS: Was läuft bei euch in nächster Zeit so?
Thomas: Im Sommer viele Festivals und dann im Herbst die richtige Tour. Wir würden gerne mal wieder nach Japan.
Tobias: Wir waren vor ein paar Jahren mal dort, das ist der Wahnsinn. War alles sehr klein, aber richtig geil. Viele Leute immer, das ging richtig gut ab. Aber wir haben dann immer sehr teuer gefeiert und wir mussten dann schauen wie wir überhaupt den Rückflug bezahlen konnten... Als wir dann mal den Tourmanager fragten, wie viel Geld noch da sei, meinter er: "zero"... (lacht)
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Die ärmsten Bands sind bekanntlich die besten, und so lieferten The Robocop Kraus dann auch eine unglaublich energetische Show ab, die mich vergessen liess, dass Mitternacht schon längst vorbei war und ich am nächsten Morgen ins Büro musste.
Die EP „Who Do They Think They Are?“ (L’Age D’Or) ist ab sofort erhältlich, das Album „They Think They Are The Robocop Kraus“ folgt am 6. Juni.
www.therobocopkraus.de
www.lado.de



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