Goodbye Fairbanks unter der Lupe, Teil 1.
Interview, dieses Wort kling irgendwie wichtig, oder? Ein solches hatte ich mit Goodbye Fairbanks aus Bern, nach ihrem Auftritt im Teibhaus, vereinbart. Das Resultat war allerdings alles andere als das gewohnte Frage-Antwort Spiel. Es entwickelte sich vielmehr eine angeregte Diskussion über Musikstile, den aktuellen Emo-Hype und die Popkultur, das sich insgesamt wohl über zwei Stunden erstreckte. Dass mein Minidisc-Player ausgerechnet an diesem Abend nicht so recht folgen wollte, fordert nun gewaltig meine Hirnzellen...

„In Luzern zu spielen, das ist immer etwas Spezielles“, meint GBFB Sänger und Gitarrist Ben Etter, der übrigens am selben Tat wie ich geboren ist, nur drei Jahre später... Klingt irgendwie ein bisschen nach Favez, nicht? Dem mir gegenübersitzenden Jungspund nimmt man diese Floskel allerdings ohne weiteres ab. Goodbye Fairbanks haben keine Allüren nötig. So kommen die vier Berner auch nicht rüber. Vielmehr wirken sie eher ein wenig schüchtern. Äusserst sympathisch auf jeden Fall. Bis vor kurzem waren sie noch mit Deus Ex Machina und Nabokoff auf der sogenannten Revelation Tour. Haben solche Tourneen, mit verschiedenen Bands aus einem ähnlichen musikalischen Sektor, eine grosse Zukunft vor sich? Auch hierzulande, wie etwa die Taste Of Chaos? Bassist Olivier Weiss: „Die Revelation Tour war für uns alle eine Bereicherung, nicht nur musikalisch. Die Jungs von Deus und Nabokoff sind während der Tour echt gute Freunde von uns geworden.“ Keine Spur von Konkurrenzdenken also. Die Revtour war alles in allem gesehen ein absoluter Erfolg. Ob das nochmals zu wiederholen ist? Die anstehende Meltdown Tour (zusammen mit Pump Liz und Pure Soundart) wird es zeigen.

Mit „Smile If You Can“ haben Goodbye Fairbanks eine EP im Gepäck, die sie schon im ganzen Lande unter die Leute gebracht haben. Wie sieht es denn mit einem richtigen Album aus? Was diese Pläne angehen, haben GBFB ganz eigene Vorstellungen. Drummer David Branca: „Wir werden sicher nicht in den nächsten Monaten auf Biegen und Brechen ein Album einspielen wollen. Wir haben da unser eigenes kleines Konzept. Wir möchten einen Song richtig professionell aufnehmen, in einem guten Studio, in einwandfreier Qualität. Dazu möchten wir dann einen Videoclip drehen. Damit wollen wir natürlich auch nationale und internationale Labels auf uns aufmerksam machen. Eine gute Platte aufzunehmen, das ist ja schlussendlich vor allem eine finanzielle Angelegenheit.“

Hauptsongwriter Ben wurde mal mit folgendem Satz zitiert: „Wenn’s mir scheisse geht, geht es unseren Songs gut.“ Wie ist denn das zu verstehen? „Im Prinzip ist es tatsächlich so“ gibt Ben zu Protokoll. „Du schreibst selber auch Songs, oder? Dann kennst du das vermutlich. Die Tatsache, dass es mir nicht gut geht, lässt sich nun mal einfacher in einem Song verarbeiten.“ Was ist denn zu erwarten, wenn Ben auf einmal glücklich ist? Funpunk? „Mit Sicherheit nicht. Ich bin ja auch momentan nicht ständig mies drauf. Ohne jetzt zu negativ klingen zu wollen... Es gibt immer etwas Schlechtes in deinem Leben, oder? Dann entsteht eben daraus ein neuer Song. Natürlich hab ich aber auch schon Songs geschrieben, als es mir gut ging. Aber auch daraus ist nicht einfach nur ein Happy-Pop-Song entstanden“.



Ein heikles Thema für jeden Musiker, der auch nur im Entferntesten etwas mit Emo zu tun hat, ist die sogenannte Kommerzialisierung der Emokultur. Was halten denn die vier Berner von schwarz geschminkten Teenies, die kaum von Tokio Hotel-Bill zu unterscheiden sind? „Es ist immer wieder dasselbe“, meint Olivier. „Was ist Emo?“ Diese Frage ist ja nun wirklich alles andere als neu. „Mit Sicherheit ist es nicht die Art, wie du dich kleidest oder schminkst. Sind wir überhaupt Emo? Ich denke nicht.“ Ben ergänzt: „Wir beschreiben unseren Stil ja eher als Indierock. Indierock hin, Emo her. Meine grossen Einflüsse sind nun mal Bands wie Death Cab For Cutie oder Jimmy Eat World, kategoriesiere sie, wie du willst!“ Wie gesagt, kein einfaches Thema. Wie wär’s also mit einem eleganten Themawechsel? Als ich Goodbye Fairbanks zum ersten Mal live gesehen hatte, stand Olivier in der Mitte und hatte auch die meisten Gesangspart. Nun haben Ben und Olivier nicht nur den Bühnenplatz getauscht, Ben ist offensichtlich zum Leadsänger mutiert. Olivier „Das war eher ein schleichender Prozess. Wir merkten ganz einfach, Bens Stimme zu den meisten Songs besser passt als meine. Und ich fühle mich auch viel wohler in meiner „neuen“ Position.“

Um mal bei der Emokultur zu bleiben... Viele der heutigen Kiddies haben Namen wie Sunny Day Real Estate oder Mineral nie gehört. Wie sieht es mit den vier Jungs aus? Lassen sie sich auch von den Ursprüngen dieser Szene beeinflussen? Ben: „Eher weniger. Oder wenn, dann über Umwege. Jimmy Eat World zum Beispiel, liessen sich wohl von Bands wie eben SDRE beeinflussen. Oder viele Bands, die wir hören, hörten seinerzeit Nirvana. Das bedeutet aber nicht, dass wir nun Nirvana als grossen Einfluss bezeichnen.“ A propos Einflüsse: Welche sind denn die aktuellen Favoriten von GBFB? Gitarrist Ricardo Krenger interveniert: „Jeder beschränkt sich auf einen Interpreten, sonst wird das eine endlose Prozedur, ok?“ Wir einigen uns schlussendlich auf deren zwei. David, wie aus der Pistole geschossen: „+44!. +44 und Jimmy Eat World“. Olivier: “Bei mir läuft momentan die Neue von Fall Out Boy auf Heavy Rotation.“ Was halten die vier denn konkret von Fall Out Boy. Postpubertäre Posterboys? „Auf keinen Fall“, sagt Ben energisch. „Fall Out Boy sind die wohl geilste Verarschung der aktuellen Popkultur. Nimm zum Beispiel die neue Single. Mein erster Gedanke war natürlich auch: Mein Gott, das ist Backstreet Boys in Reinkultur! Aber genau das macht sie ja aus. Du darfst das alles nicht wörtlich und zu ernst nehmen.“ Genug abgeschweift. Oliver: „Mein zweiter Interpret ist Norah Jones.“ Wie sieht’s bei Ben aus? „Meine aktuellen Götter sind Nada Surf. Ich liebe sie ganz einfach. Mein momentaner Soundtrack zum Leben.“ Als kleines Intermezzo folgt eine heftige Diskussion über Angels And Airwaves und +44. Aber halt. Streitgespräche dieser Art sind etwas für Filippo Leutenegger und die Arena. Oder wie heisst nochmals der Neue...? Egal. Zu Ric’s Favoriten: „Ich hatte jetzt ja ganz schön lange Zeit zum darüber Nachdenken. Ich kann dir aber trotzdem nicht sagen, welche Bands ich zur Zeit am meisten höre. Als Beispiel diene Folgendes: Wenn ich mit dem Auto irgendwo hinfahre, läuft meistens etwas Rockiges, auf der Rückfahrt etwas Ruhigeres. Da gäbe es zig Beispiele.“

Anderthalb Stunden sind nun schon vergangen. Nun folgt noch das beliebte Spiel, das einige wohl von der Visions (das Heft) kennen. Mehr dazu in Teil zwei....

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