22. August 2005
FUGO - Interview, August 2005

Fugo sind noch relativ unbekannt. Das sollte sich schnell ändern. Darum haben wir die drei Aarauer Jungs interviewt.
Erzählt mal ein wenig was über eure Band-Geschichte! In welchen Bands habt ihr früher gespielt, wie habt ihr euch kennengelernt, wie lange existiert FUGO schon?
Mich: Ich spielte bei „crumb.“, „EAR-WAX“, „Nohtschlafstelle“ und solo als „tooth“. Gekannt hatten wir uns vor Fugo eigentlich alle schon. Hervorgegangen ist Fugo grundsätzlich aus dem Split von „crumb.“, worauf ich Stefan angesprochen habe, ob er nicht Lust hätte, nebenbei noch was anders zu machen (gab ihm dann meine „tooth“-cd). Fugo entstand also als eigentliches Nebenprojekt im Dezember 2000 und lief ca. 1 Jahr nur mit Gitarre (mich) und Schlagzeug (Steff). Ende 2001 – mit dem eigens hergestellten Demo A.)-F.) - konnten wir schliesslich Roman als Sänger und Bassisten gewinnen.
Stefan: Ich spielte bei Lunazone, Pub la Bomba und Nordstan.
Roman: Von der klassischen Gitarre über die unterschiedlichen Schulbands stand ich als Gitarrist bei crumb. am Leadgesangsmicro, bevor mich die grosse weite Welt für ein Jahr von meinen Musikprojekten trennte. Was mich seit den Schulbands immer begleitete, war und ist Mich. Ja ja, der perfekte Musikpartner für mich eben...
Ist euer Stil als Mix eurer früheren Bands zu verstehen? Welche Bands haben euch massgeblich beeinflusst?
Mich: Ja und nein...es ist kaum möglich, seine eigene Vergangenheit zu verleugnen, denke aber nicht, dass Lunazone plus 2 x crumb. = Fugo passend ist. Fugo ist für mich viel mehr eine grundsätzlich andere Herangehensweise, ein offener Dialog, eine Musik ohne Grenzen, welche, initiiert durch eine Idee des Einzelnen, erst durch das Gefüge der Band zu dem wird, was wir schliesslich unsere Songs nennen.
Einflüsse meinerseits: immer und ewig The Cure, ...And You Will Know Us By The Trail Of Dead, Standstill, Fugazi und At The Drive-In.
Stefan: Fugo ist für mich Neuland, was ich spiele und zum Teil auch wie ich spiele, beeinflusst von Musikern mit Charakter, von Mani Matter oder den Melvins.
Roman: 100% Mich... Einflüsse meinerseits: Smashing Pumpkins, Radiohead, The Mars Volta.
Was hat euer Name eigentlich zu bedeuten?
Mich: Fugo ist der berühmte Kugelfisch, an dem das Meiste tödlich giftig ist (Nervengift Tetrodotoxin). Eine "Delikatesse" aus Südjapan, teuer und eher eine Mutprobe als ein Nahrungsmittel. Die meisten Fugo-Opfer gibt es, weil der Fisch von Unwissenden zu Hause falsch zubereitet wird. Es ist schlicht eine kulinarische Variante des russischen Roulettes...Irgendwie ist die ganze Sache spannend und fies, das passte für mich gut...Der Mensch der lieber stirbt, als dass er mal was unversucht lässt...Der Mensch, der Mensch, der Mensch...ts, ts, ts!
Es gibt da ja auch noch die unrühmliche Vergangenheit der sog. Fugo-Bombs, welche von den Japanern (die wir sonst sehr gut mögen --> siehe Booklet und Inlay) während des 2. Weltkriegs auf die Welt hernieder liessen. Darauf berufen wir uns aber nicht, das ist nicht unser Schuh – aber wir wissen darum.
Wie entstehen eure Songs? Wer schreibt die Musik, wer die Texte?
Mich: Wie oben bereits einmal erwähnt, oft gehen wir von einer Grundidee aus, die in den meisten Fällen von mir kommt. Ich spiel’ dann mal vor, die andern steigen ein und dann jammen wir, bis ein jeder seinen Part gefunden hat, der ihm passt – nicht selten bewegen wir uns dann recht weit von der Grundidee weg – wobei genau das dann Fugo ist: ein Produkt von allen Dreien, mit einem anfänglichen Anstoss...Die endgültigen Texte macht Roman. Er verarbeitet dabei Texte von mir oder schreibt sie direkt selber.
Basel, Luzern oder Lausanne sind ja bekannt für eine breite Alternative Musikszene... Wie sieht das in Aarau aus?
Mich: Gebe hier wohl das Wort dem Steff, denn der weiss am besten Bescheid. Die Szene ist ja nicht gerade klein, vor allem, wenn man Zofingen mitberücksichtigt.
Stefan: In der Region gibt es erstaunlich viele Bands, die Mucke haben, nicht mehr und nicht weniger als anderswo. Breit ist die Szene wie kaum anderswo.
Roman: Aus meiner sicht reduziert sich die Rockszene in Aarau stets. Nicht dass es weniger Musikinteressierte gäbe, sondern sie verteilen sich jetzt häufiger auf HipHop, was nicht weiter schlimm ist. Unterstützt durch die Stadt oder die Clubs wird eigentlich jegliche Musik.

Mit euren anspruchsvollen, vertrackten Songs wird es wohl schwierig sein, im Radio oder TV gespielt zu werden. Was habt ihr diesbezüglich für Ziele oder Ambitionen?
Mich: Spätestens an dem Tag, an dem wir adressierte, zielgerichtete Musik machen werden, sollten wir besser ganz aufhören. Das Ziel muss sein, das zu machen, was man spürt, dabei trotzdem Leute, Radio oder Fernsehen zu begeistern, nicht aber umgekehrt.
Radio 3fach, RaBe, Fréquence Banane und Indie Warehouse Radio spielen uns, das ist cool und schon ein kleiner Erfolg für uns. Viva kommt wohl eher nicht in Frage, ist aber beim dort gebotenen auch nicht wirklich ein Ziel... DRS 3, Virus etc. wäre mal noch nett...Evtl. spielen die uns und wir wissen’s nicht – keine Ahnung. Ich möchte sehr gerne unsere CD an Leute bringen, die dann auch Freude daran haben. Das ist cool, und dann eine neue Platte machen!
Roman: Nur Popsongs sind einfach langweilig…irgendwie
Wo habt ihr euer Album aufgenommen?
Mich: aufgenommen in Strengelbach bei www.somarecords.ch mit Dave Hofmann und Stefan Stammbach. Gemischt im Club House Studio von Reto Peter (www.smalltune.com) , gemasterd bei Ken Lee @ Ken Lee Mastering (USA). Alle zusammen haben uns wahnsinnig unterstützt und einen fantastischen Job gemacht. Alles wunderbar freundschaftlich, vor allem das Aufnehmen bei unseren lieben Kollegen (und Live-Mischer) von somarecords.ch.
Wie seid ihr mit den fertigen Songs zufrieden? Gibt es etwas, das ihr im Nachhinein ändern würdet?
Mich: „Aie“ ist für mich ein hoch befriedigendes Debutalbum. Während der ganzen Arbeit habe ich unendlich viel gelernt und persönlich profitiert. Ich würde an diesem Album eigentlich nicht unbedingt etwas anders machen wollen, klar hat es Stellen wo man denkt, das hätte besser kommen können oder wir hätten weniger Songs aufnehmen sollen oder, oder, oder! So wie es ist, bin ich sehr glücklich. Handkehrum aber weiss ich durch die Arbeit an „Aie“ und durch das Resultat genau, was ich beim nächsten Album anders machen, respektive ausprobieren will. Eines ist für mich jedenfalls sicher, das nächste Album wird mehr unterschiedliche Instrumente enthalten...
Stefan: Unter den gegebenen Umständen und Bedingungen ist das Album gut geworden.
Was steht bei euch in nächster Zeit so an?
Mich: Es ist offiziell, dass Stefan eine Weile weg sein wird! Roman und ich werden somit seinen Nachfolger, Christian Kyburz, einarbeiten und mit ihm hoffentlich einige schöne Konzerte spielen (u.a. in Deutschland und 2006 in UK) sowie neue, gute Songs kreieren. Allenfalls kriegen wir ein Kanada Re-release hin, in Zusammenarbeit mit einem kleinen interessierten Label dort. Dann dürfen wir uns alsbald über eine weitere, neue Platte Gedanken machen, vor allem bzgl. deren Finanzierung ;-)
Tja und psychisch wie physisch werden wir uns auf ein Fugo-Leben zu viert einstellen...ah ja, und den Leuten beibringen, was sie verpassen, wenn sie „Aie“ nicht besitzen...
Stefan: Ich verlasse Fugo, weil ich für unbestimmte (aber bestimmt lange) Zeit nach Brasilien gehe. Dieser Entscheid hat nichts mit Fugo zu tun und ist über die vergangenen drei Jahre gereift. Der grossartigen Band Fugo wegen würde ich gerne hier bleiben. An meiner Stelle wird Christian Kyburz trommeln, Fugo löst sich weder auf noch trete ich aus der Band aus. Wenn ich zurück komme und wir uns zu einer Weiterarbeit entschliessen, können wir uns Fugo zu viert vorstellen.
Das steht noch in den Sternen...
Danke allen, die Fugo in irgendeiner Art und Weise unterstützen!
Roman: Rocken, rocken, rocken....
www.fugo.ch.vu



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