23. November 2005
EDITORS - Interview im Abart (Zürich), 06.11.2005
Das Popjahr 2005 ist zwar noch nicht vorbei, aber zieht man mal provisorisch Bilanz, so wird es ziemlich sicher als "das Jahr der britischen Pop-Invasion" in die (europäische) Musikgeschichte eingehen. Bloc Party, Kaiser Chiefs, Maximo Park, Futureheads, Rakes etc. Die Namen wurden (auch in diesem Magazin) zur Genüge aufgelistet...
Nebst Maximo Park und Futureheads haben die ebenfalls in diesem Jahr erstmals auf der Bildfläche erschienenen Editors bei mir den nachhaltigsten Eindruck hinterlassen, obwohl (oder gerade weil?) sie auf ihrem Debutalbum "The Back Room" eigentlich nur zwei Songs zum Besten gaben: den schnellen und den langsamen. Aber beide Songs beherrschen sie perfekt und verströmen damit diese eigenwillige Mischung aus Distanziertheit und Hingabe. Vor dem geradezu frenetisch bejubelten Auftritt im Abart unterhielt ich mich mit Sänger und Gitarrist Tom Smith und dem Bassisten Russell Leetch. Von Blasiertheit keine Spur, stattdessen traf ich zwei nette britische Jungs, die sich darüber freuen, den Sprung von miesen Gelegenheitsjobs auf die Bühne geschafft zu haben.

BANDS: Tom, Russell, ihr habt grad eine Woche als Support von Franz Ferdinand hinter euch...
Tom: Ja, das war wirklich fantastisch. Es war natürlich eine einmalige Chance für uns, aber auch ein Risiko. Die Gefahr, dass du da unter gehst, ist natürlich gross. Aber wir konnten und wollten diese Chance nicht vergeben. Franz Ferdinand sind sehr wichtig, gerade wenn du die Musik machst die wir spielen, das öffnet viele Türen. Und erfreulicherweise waren uns die Franz Ferdinand-Fans sehr freundlich gesinnt. Bei uns gab's jeweils viel Applaus, bei Franz Ferdinand sind sie dann natürlich komplett ausgerastet.
Wie kamt ihr überhaupt zu diesem Support-Slot?
Russel: Sie wählen ihre Supportbands immer selber aus. Wir wurden also von ihnen angefragt und wir waren natürlich einverstanden. Auf der kommenden UK-Tour werden dann noch The Rakes dabei sein. Das ist schon ein ziemlich gutes Line-Up.
Seid ihr in diesem Fall also fast schon traurig, jetzt wieder alleine als Headliner Shows spielen zu müssen?
Russel: Nein, natürlich nicht. Die Support-Gigs waren sehr kurz, höchstens eine halbe Stunde. Wir freuen uns natürlich, jetzt wieder länger spielen zu können.
Wie lange spielt ihr denn heute? Ihr habt ja bis jetzt nicht viel mehr als die 11 Songs vom Album...
Tom: Ungefähr eine Stunde, die Songs vom Album und ein paar B-Seiten. Leider gibt’s hier keinen richtigen Backstage-Bereich, deshalb werden wir keine Zugabe spielen. Macht ja keinen Sinn, einfach auf die Seite zu stehen und dann weiter zu spielen...
Spielt ihr zum ersten Mal auf dem Kontinent?
Russel: Es ist unsere erste Tour hier. Wir spielten ein paar Festivals im Sommer.
Ist es anders hier zu spielen als auf der Insel?
Tom: In Grossbritannien sind wir halt mittlerweile etwas bekannter, die Leute singen die Texte mit, flippen aus. Hier hören sie noch eher zu. Das ist vergleichbar mit der ersten UK-Tour. Ich mag das. Wir haben eigentlich mehr Spass jetzt als auf der letzten UK-Tour, es ist alles relaxter.
Haben die Leute in Grossbritannien nicht manchmal genug von all den neuen Bands, die dort fast täglich auftauchen? Ist es besser hier?
Tom: Nicht unbedingt. Hier heisst es ja einfach: die nächste Band aus UK, das ermüdet doch auch. Aber die Leute interessieren sich auch dafür, welche Band denn nun dem Druck standhalten kann, welche Band sich live bewähren kann. Nicht alle Bands sind gut, so ist es nun mal...
Wenn du die unterschiedliche Qualität dieser Bands schon erwähnst: Welche von all den neuen britischen Bands mögt ihr?
Tom: Hmm, das ist so schwierig, ist doch eigentlich noch viel zu früh, das zu beurteilen. Die haben ja alle erst ein Album veröffentlicht. Die englische Presse handelt da halt vieles auch viel zu hoch... Bloc Party sind sicher sehr interessant und intelligent...
Russell: Das Rakes-Album ist auch sehr gut...
Was glaubt ihr, wie viele dieser Bands werden überleben?
Russell: Das wird sicher sehr interessant werden. Wie werden sich etwa Kaiser Chiefs entwickeln? Die sind sehr brit-poppig, wie Oasis anno 1994. Aber Oasis klingen heute noch so, während sich Blur weiterentwickelt haben...
Wie werdet ihr euch weiterentwickeln?
Tom: Ich werde im Dezember mal damit beginnen, neue Songs zu schreiben und Demos aufzunehmen. Die bring ich in den Proberaum mit, wo wir gemeinsam daran weiter arbeiten werden. Voraussichtlich werden wir dann im Sommer ins Studio gehen. Ich weiss aber nicht wohin wir musikalisch steuern. Es wird wohl kein „Kid A“ werden... Wir haben auf dem Album ja eher langsame Songs wie „Camera“ oder „Distance“ und auf der anderen Seite die schnelleren Songs wie „Munich“. Ich könnte mir vorstellen, diese Gegensätze noch weiter auszureizen.
Das Album verströmt eine ziemlich düstere Stimmung, die vom Artwork noch unterstrichen wird. Habt ihr das bewusst angestrebt?
Russell: Wir haben die Songs während eines Jahres geschrieben. In dieser Zeit hatten wir alle "crappy dayjobs", wir waren tagsüber frustriert und haben abends Musik gemacht, das ist in die Musik eingeflossen.
Tom: Ob du willst oder nicht, deine Umgebung beeinflusst nun mal das Songwriting und die Stimmungen. Aber ich denke da steckt auch viel Hoffnung in unseren Texten, nicht nur Trauer. Die Texte sind sehr romantisch.
Erzählt ein bisschen von den Aufnahmen. Wie lange wart ihr im Studio, wie seid ihr da vorgegangen?
Tom: Wir waren 3,5 Wochen im Studion. Wir hatten das Studio eigentlich für 5 Wochen gebucht, aber es lief dann viel schneller als geplant. Wir wollten auch nicht endlos an den Songs rumbasteln. Ein bisschen war gut, aber wir wollten’s nicht übertreiben. Es ist schliesslich auch das Debut-Album. Da soll nicht alles perfekt sein, es geht mehr um eine bestimmte Aussage. So wie „Is This It“ von The Strokes sie hat oder "Murmur" von REM.
Habt ihr viel an den Songs verändert?
Tom: Unser Produzent hat uns dabei geholfen, den Songs noch etwas „Farbe“ zu verleihen. Wir sind eine ziemlich energetische Live-Band, die Songs klangen zum Teil sehr anders, bevor wir sie aufgenommen haben.
Russell: „Camera“ war zum Beispiel viel schneller. Unser Produzent hat uns dann geholfen, etwas mehr daraus zu machen.
Wenn ihr das Album jetzt hört, gefällt’s euch noch?
Tom: Ich hab’s schon lange nicht mehr gehört...
Russell. Wir spielten so viele Gigs in den letzten Monaten, da vergisst man, wie’s auf dem Album klingt.
Klingen die Songs denn nun eher wieder so, wie sie vor den Aufnahmen klangen?
Tom: Es liegt irgendwo dazwischen. Wenn wir live spielen, wollen wir nicht jeden Ton auf dem Album reproduzieren. Das sind halt zwei komplett verschiedene Dinge, die Arbeit im Studio und das Spielen auf der Bühne. Ich freu mich aber darauf, wieder aufzunehmen.
Wenn ihr nach der Tour wieder nach Hause kommt, müsst ihr da wieder Jobs annehmen?
Russell: Nein, wenn wir wieder nach Hause kommen, können wir an neuen Songs arbeiten. Das ist natürlich grossartig und wir sind sehr privilegiert. Im Moment läufts wirklich gut für uns.
Wenn eure Musik beschrieben wird, ist immer rasch die Rede von Interpol und Echo & The Bunnymen. Wen würdet ihr als Einflüsse bezeichnen?
Tom: Als wir uns trafen, war das erste Strokes-Album ganz wichtig, das erste Elbow-Album ebenfalls. Für mich und viele andere in meinem Alter war natürlich der Auslöser und der Einstieg in Gitarrenmusik „Definitely Maybe“ von Oasis. Später dann Radiohead und ich hab allmählich auch REM entdeckt.
Russell: Als Teenager mochte ich Nirvana. Aber 1996, ich war damals 16, kam dann „O.K. Computer“ von Radiohead. Sowas hatte ich noch nie gehört, das war schon faszinierend. Viele der älteren Bands mit denen wir verglichen werden, kannten wir gar nicht. Echo & The Bunnymen hatte ich nie gehört...
Tom: Bunnymen haben wir erst jetzt lieben gelernt. „Crocodiles“ und „Heaven Up There“ sind grossartige Alben, aber wir kannten sie wirklich nicht als wir uns trafen. Es ist ja nicht so, dass wir uns trafen und beschlossen, wie wir klingen wollen. Wir machen halt einfach Musik, die so klingt, wie wir es mögen.
Habt ihr manchmal die Nase voll davon, immer verglichen zu werden?
Tom: Ja klar, manchmal schon... Aber wir sind halt eine neue Band und die Leute müssen uns irgendwie einordnen können. Geht doch mit jeder neuen Band so, sie wird verglichen bis sie lange genug da ist, um für sich selbst zu bestehen. Wenn du gut genug bist, dann geht’s irgendwann nur noch um dich. Muse wurden auch lange immer mit Radiohead verglichen, das geht irgendwann vorbei.
Meine abschliessende Frage, ob sie irgendwelche Schweizer Bands kennen, bringt Ernüchterndes zum Vorschein: Nicht mal Krokus ist ihnen bekannt. Als ich noch die Young Gods erwähne, nickt Russell verständnisvoll, aber ich hab den Eindruck, dass er das nur aus Höflichkeit gemacht hat...
Was glaubt ihr, weshalb gibt es so viele Schweizer Bands, die es aber nie wirklich zu was bringen?
Tom: Keine Ahnung... Bei uns hat's natürlich auch viele, die's nie schaffen. Aber wenn eine neue Band auftaucht, die gut ist, dann wird sie auch beachtet. Unsere Presse spielt sicher eine wichtige Rolle.
www.editorsofficial.com
(Fotos: Martin Brabec und Jonathan Winkler)
Nebst Maximo Park und Futureheads haben die ebenfalls in diesem Jahr erstmals auf der Bildfläche erschienenen Editors bei mir den nachhaltigsten Eindruck hinterlassen, obwohl (oder gerade weil?) sie auf ihrem Debutalbum "The Back Room" eigentlich nur zwei Songs zum Besten gaben: den schnellen und den langsamen. Aber beide Songs beherrschen sie perfekt und verströmen damit diese eigenwillige Mischung aus Distanziertheit und Hingabe. Vor dem geradezu frenetisch bejubelten Auftritt im Abart unterhielt ich mich mit Sänger und Gitarrist Tom Smith und dem Bassisten Russell Leetch. Von Blasiertheit keine Spur, stattdessen traf ich zwei nette britische Jungs, die sich darüber freuen, den Sprung von miesen Gelegenheitsjobs auf die Bühne geschafft zu haben.

BANDS: Tom, Russell, ihr habt grad eine Woche als Support von Franz Ferdinand hinter euch...
Tom: Ja, das war wirklich fantastisch. Es war natürlich eine einmalige Chance für uns, aber auch ein Risiko. Die Gefahr, dass du da unter gehst, ist natürlich gross. Aber wir konnten und wollten diese Chance nicht vergeben. Franz Ferdinand sind sehr wichtig, gerade wenn du die Musik machst die wir spielen, das öffnet viele Türen. Und erfreulicherweise waren uns die Franz Ferdinand-Fans sehr freundlich gesinnt. Bei uns gab's jeweils viel Applaus, bei Franz Ferdinand sind sie dann natürlich komplett ausgerastet.
Wie kamt ihr überhaupt zu diesem Support-Slot?
Russel: Sie wählen ihre Supportbands immer selber aus. Wir wurden also von ihnen angefragt und wir waren natürlich einverstanden. Auf der kommenden UK-Tour werden dann noch The Rakes dabei sein. Das ist schon ein ziemlich gutes Line-Up.
Seid ihr in diesem Fall also fast schon traurig, jetzt wieder alleine als Headliner Shows spielen zu müssen?
Russel: Nein, natürlich nicht. Die Support-Gigs waren sehr kurz, höchstens eine halbe Stunde. Wir freuen uns natürlich, jetzt wieder länger spielen zu können.
Wie lange spielt ihr denn heute? Ihr habt ja bis jetzt nicht viel mehr als die 11 Songs vom Album...
Tom: Ungefähr eine Stunde, die Songs vom Album und ein paar B-Seiten. Leider gibt’s hier keinen richtigen Backstage-Bereich, deshalb werden wir keine Zugabe spielen. Macht ja keinen Sinn, einfach auf die Seite zu stehen und dann weiter zu spielen...
Spielt ihr zum ersten Mal auf dem Kontinent?
Russel: Es ist unsere erste Tour hier. Wir spielten ein paar Festivals im Sommer.
Ist es anders hier zu spielen als auf der Insel?
Tom: In Grossbritannien sind wir halt mittlerweile etwas bekannter, die Leute singen die Texte mit, flippen aus. Hier hören sie noch eher zu. Das ist vergleichbar mit der ersten UK-Tour. Ich mag das. Wir haben eigentlich mehr Spass jetzt als auf der letzten UK-Tour, es ist alles relaxter.
Haben die Leute in Grossbritannien nicht manchmal genug von all den neuen Bands, die dort fast täglich auftauchen? Ist es besser hier?
Tom: Nicht unbedingt. Hier heisst es ja einfach: die nächste Band aus UK, das ermüdet doch auch. Aber die Leute interessieren sich auch dafür, welche Band denn nun dem Druck standhalten kann, welche Band sich live bewähren kann. Nicht alle Bands sind gut, so ist es nun mal...
Wenn du die unterschiedliche Qualität dieser Bands schon erwähnst: Welche von all den neuen britischen Bands mögt ihr?
Tom: Hmm, das ist so schwierig, ist doch eigentlich noch viel zu früh, das zu beurteilen. Die haben ja alle erst ein Album veröffentlicht. Die englische Presse handelt da halt vieles auch viel zu hoch... Bloc Party sind sicher sehr interessant und intelligent...
Russell: Das Rakes-Album ist auch sehr gut...
Was glaubt ihr, wie viele dieser Bands werden überleben?
Russell: Das wird sicher sehr interessant werden. Wie werden sich etwa Kaiser Chiefs entwickeln? Die sind sehr brit-poppig, wie Oasis anno 1994. Aber Oasis klingen heute noch so, während sich Blur weiterentwickelt haben...
Wie werdet ihr euch weiterentwickeln?
Tom: Ich werde im Dezember mal damit beginnen, neue Songs zu schreiben und Demos aufzunehmen. Die bring ich in den Proberaum mit, wo wir gemeinsam daran weiter arbeiten werden. Voraussichtlich werden wir dann im Sommer ins Studio gehen. Ich weiss aber nicht wohin wir musikalisch steuern. Es wird wohl kein „Kid A“ werden... Wir haben auf dem Album ja eher langsame Songs wie „Camera“ oder „Distance“ und auf der anderen Seite die schnelleren Songs wie „Munich“. Ich könnte mir vorstellen, diese Gegensätze noch weiter auszureizen.
Das Album verströmt eine ziemlich düstere Stimmung, die vom Artwork noch unterstrichen wird. Habt ihr das bewusst angestrebt?
Russell: Wir haben die Songs während eines Jahres geschrieben. In dieser Zeit hatten wir alle "crappy dayjobs", wir waren tagsüber frustriert und haben abends Musik gemacht, das ist in die Musik eingeflossen.
Tom: Ob du willst oder nicht, deine Umgebung beeinflusst nun mal das Songwriting und die Stimmungen. Aber ich denke da steckt auch viel Hoffnung in unseren Texten, nicht nur Trauer. Die Texte sind sehr romantisch.
Erzählt ein bisschen von den Aufnahmen. Wie lange wart ihr im Studio, wie seid ihr da vorgegangen?
Tom: Wir waren 3,5 Wochen im Studion. Wir hatten das Studio eigentlich für 5 Wochen gebucht, aber es lief dann viel schneller als geplant. Wir wollten auch nicht endlos an den Songs rumbasteln. Ein bisschen war gut, aber wir wollten’s nicht übertreiben. Es ist schliesslich auch das Debut-Album. Da soll nicht alles perfekt sein, es geht mehr um eine bestimmte Aussage. So wie „Is This It“ von The Strokes sie hat oder "Murmur" von REM.
Habt ihr viel an den Songs verändert?
Tom: Unser Produzent hat uns dabei geholfen, den Songs noch etwas „Farbe“ zu verleihen. Wir sind eine ziemlich energetische Live-Band, die Songs klangen zum Teil sehr anders, bevor wir sie aufgenommen haben.
Russell: „Camera“ war zum Beispiel viel schneller. Unser Produzent hat uns dann geholfen, etwas mehr daraus zu machen.
Wenn ihr das Album jetzt hört, gefällt’s euch noch?
Tom: Ich hab’s schon lange nicht mehr gehört...
Russell. Wir spielten so viele Gigs in den letzten Monaten, da vergisst man, wie’s auf dem Album klingt.
Klingen die Songs denn nun eher wieder so, wie sie vor den Aufnahmen klangen?
Tom: Es liegt irgendwo dazwischen. Wenn wir live spielen, wollen wir nicht jeden Ton auf dem Album reproduzieren. Das sind halt zwei komplett verschiedene Dinge, die Arbeit im Studio und das Spielen auf der Bühne. Ich freu mich aber darauf, wieder aufzunehmen.
Wenn ihr nach der Tour wieder nach Hause kommt, müsst ihr da wieder Jobs annehmen?
Russell: Nein, wenn wir wieder nach Hause kommen, können wir an neuen Songs arbeiten. Das ist natürlich grossartig und wir sind sehr privilegiert. Im Moment läufts wirklich gut für uns.
Wenn eure Musik beschrieben wird, ist immer rasch die Rede von Interpol und Echo & The Bunnymen. Wen würdet ihr als Einflüsse bezeichnen?
Tom: Als wir uns trafen, war das erste Strokes-Album ganz wichtig, das erste Elbow-Album ebenfalls. Für mich und viele andere in meinem Alter war natürlich der Auslöser und der Einstieg in Gitarrenmusik „Definitely Maybe“ von Oasis. Später dann Radiohead und ich hab allmählich auch REM entdeckt.
Russell: Als Teenager mochte ich Nirvana. Aber 1996, ich war damals 16, kam dann „O.K. Computer“ von Radiohead. Sowas hatte ich noch nie gehört, das war schon faszinierend. Viele der älteren Bands mit denen wir verglichen werden, kannten wir gar nicht. Echo & The Bunnymen hatte ich nie gehört...
Tom: Bunnymen haben wir erst jetzt lieben gelernt. „Crocodiles“ und „Heaven Up There“ sind grossartige Alben, aber wir kannten sie wirklich nicht als wir uns trafen. Es ist ja nicht so, dass wir uns trafen und beschlossen, wie wir klingen wollen. Wir machen halt einfach Musik, die so klingt, wie wir es mögen.
Habt ihr manchmal die Nase voll davon, immer verglichen zu werden?
Tom: Ja klar, manchmal schon... Aber wir sind halt eine neue Band und die Leute müssen uns irgendwie einordnen können. Geht doch mit jeder neuen Band so, sie wird verglichen bis sie lange genug da ist, um für sich selbst zu bestehen. Wenn du gut genug bist, dann geht’s irgendwann nur noch um dich. Muse wurden auch lange immer mit Radiohead verglichen, das geht irgendwann vorbei.
Meine abschliessende Frage, ob sie irgendwelche Schweizer Bands kennen, bringt Ernüchterndes zum Vorschein: Nicht mal Krokus ist ihnen bekannt. Als ich noch die Young Gods erwähne, nickt Russell verständnisvoll, aber ich hab den Eindruck, dass er das nur aus Höflichkeit gemacht hat...
Was glaubt ihr, weshalb gibt es so viele Schweizer Bands, die es aber nie wirklich zu was bringen?
Tom: Keine Ahnung... Bei uns hat's natürlich auch viele, die's nie schaffen. Aber wenn eine neue Band auftaucht, die gut ist, dann wird sie auch beachtet. Unsere Presse spielt sicher eine wichtige Rolle.
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(Fotos: Martin Brabec und Jonathan Winkler)





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