19. Juli 2005
Die Zukunft der Musikindustrie

Einen CD-Brenner hat ja mittlerweile jeder, MP3 setzt sich mit iPod und Konsorten mehr und mehr durch, und selbst Majorlabels fangen an ganze Länderstützpunkte dicht zu machen.
Die Tendenz zum do-it-yourself ist aber nicht nur in der Musik zu finden, sondern überall, wo man physische Produkte durch virtuelle ersetzten kann. Fotos braucht man nicht mehr zum entwickeln zu bringen, für ein Album braucht man nicht mehr ins Studio, die Website bastelt man selber, da man das ja heutzutage schon im Kindergarten lernt und die Grafik macht einer von Millionen selbsternannten Grafikern. Der Haken: Kostet nix, ist aber auch nix wert.
Wo man früher noch „Qualität hat seinen Preis“ einwarf, interessiert das heute niemanden mehr. Wir haben sie bereits, die Wegwerfgesellschaft. Einen kaputten Drucker reparieren? Da muss selbst der Verkäufer im Fachhandel eingestehen, dass es günstiger wird gleich einen neuen zu kaufen.
Die kleinen Bands und unbekannten Musiker, werden von den Entwicklungen im Musikbusiness vorläufig nicht stark betroffen. Ein Konzert muss immer noch angeschaut werden, 1'000 CDs sind immer noch relativ schnell verkauft. Wer es schafft vom Touren und selbstverkauften CDs zu leben, ist der Paul McCartney des 21. Jahrhunderts. Aber den grossen Sprung zu schaffen wird immer schwieriger.
Schon jetzt schlägt einem das Überangebot an Bands und feinsten Nuancierungen von Stilrichtungen entgegen. Wer blickt da noch durch? Und es wird noch schlimmer...
Die Zukunft wird so prophezeit, dass Millionen von Kleinstlabels mit Noname-Künstlern in einem unendlich feinen und komplexen Netzwerk zusammenhängen und versuchen werden, so ihr Business zu machen. Und nur wer sich die richtigen Partner sucht und sich optimal positioniert hat eine Chance zu bestehen. Titel werden nicht mehr gekauft, sondern per flatrate „gemietet“. Man schliesst ein Abo ab, wie wir das bereits von der Mobiltelefonie her kennen, und können jeden existenten Titel jederzeit und an jedem Ort live streamen. Ob und wie realistisch das ist, kann noch niemand so genau sagen. Und wer es dann noch schafft einige Millionen Downloads seines Interpreten aus dem unendlichen Sumpf von Angeboten im WorldWideWeb hinzukriegen, hat sein Marketing von ausserhalb der Musikindustrie finanziert, oder betreibt einen eigenen Fernsehsender...
Irgendwann werden wir unseren Kindern sagen: „Mein Traum war es immer, Rockstar zu werden und mit meiner Musik Bekanntheit und Reichtum zu erlangen.“ Und unsere Kinder werden ungläubig den Kopf schütteln, uns auslachen und sagen: „Da kannst du ja gleich davon Träumen als Putzfrau Karriere zu machen!“
Nur eins steht fest: Musik wird es geben, solange es Menschen gibt. Vielleicht sogar wieder freier, wertvoller und mit mehr Tiefgang.
Für alle, die nach wie vor davon träumen, mit Musik mehr als nur die eigenen Trommelfelle zu bewegen: Sucht euch ein starkes Indielabel, mit einem fundierten Netzwerk und Know-how, und gebt selber mindestens soviel Herzblut dazu, wie ihr von eurem Label erwartet. Denn die rosigen Zeiten vom „machen lassen“ und „Geld scheffeln“ sind vorbei.



Kommentare
Auch ihr mit eurem Magazin habt davon profitiert, das ihr so kostengünstig euer Magazin vertreiben und unter die Leute bringen könnt. Wenn ihr es gedruckt hättet, wären ganz andere Kosten entstanden. So habt ihr die Möglichkeit zu warten bis euer Magazin bekannter ist und habt nachher immer noch die Möglichkeit, das Magazin mal drucken zu lassen.
Es hat alle Vor und Nachteile, es ist sicher Schade das durch diese Entwicklung stellen verloren gehen, es werden aber auch welche geschafft, aber ob sich das ausgleicht bezweifle ich. Für kleine Künstler sehe ich auch eine Change da sie so billig sich bekannter machen können. (Homepage mit MP3 zum Downloaden). Ich bin schon an viele Konzerte von unbekannten Künstlern gegangen, nur darum da sie auf ihrer Homepage MP3 zum Donwloaden anbieten und ich so ein Bild von der Band machen kann. Natürlich besteht da ein Überangebot, aber ich als Musikfreak profitiere davon.