Coheed And Cambria revolutionieren die Rockmusik, und niemand merkt's...
Wir leben in Zeiten, da regieren Plastikpop und R’n B-Gesülze die Charts. Nietengürtel und gepiercte Körperteile sind kein Zeichen von Unabhängigkeit mehr, sondern Modeaccessoires von Heranwachsenden. Da kommt eine Band wie Coheed And Cambria gerade Recht.

Ende der Neunzigerjahre als Poppunk meets Progrock Combo gegründet, benannten sie sich, nach diversen Besetzungswechseln, 2000 in Coheed And Cambria um. Geblieben sind lediglich Sänger, Gitarrist und Songschreiber Claudio Sanchez sowie der Mix aus Pop und Prog. Nach zweijährigem, intensiven Proben und zahlreichen Auftritten in kleinen Clubs, wurde 2002 das Debütalbum namens „The Second Stage Turbine Blade“ auf dem New Yorker Emo / Hardcore Label Equal Vision veröffentlicht. Was die vier Amis wohl kaum kommen sahen: Sie waren die Trendsetter einer bisher noch nie dagewesenen Musikbewegung. Dass Pop mit Punk vermischt werden konnte, war bekannt. Ebenso die Tatsache, dass Geschrei nicht bedeuten muss, dass eine Band nicht melodiös sein kann. Aber Emocore, Pop, kombiniert mit Progressive Rock und Metal-Soli? Daran hatte sich bis anhin noch niemand versucht. Ziemlich genau ein Jahr nach der Veröffentlichung von „The Second Stage Turbine Blade“ wurden THE MARS VOLTA als die Götter bejubelt, welche die Rockmusik revolutionierten. Dass Coheed And Cambria, fernab von jeglicher Medienpräsenz und Beachtung irgendwelcher Journalisten, die Initianten dafür waren, schien niemanden zu interessieren. Also tourte man fleissig weiter, unter anderem mit Bands wie THURSDAY oder THE USED. Langsam aber sicher erspielte man sich einen immer grösser werdenden Fankreis.



2003 begaben sich Coheed And Cambria ins Studio, um unter der Aufsicht von Michael Birnbaum (u.a. Straylight Run) den Nachfolger von „Second Stage“ einzuspielen. Es gibt nicht viele Platten, die bereits zwei Jahre nach deren Erscheinen als Meilenstein bezeichnet werden. „In Keeping Secrets Of Silent Earth: 3“ gehört dazu. Dreiminütige Popsongs wie “Blood Red Summer” oder “A Favor House Atlantic” reihen sich an achtminütige Progmonster wie der Titeltrack, es wurde geschrien geflüstert, soliert und metal-geposed, und das alles innerhalb eines Albums. C&C begeisterten gleichermassen Fans von THURSDAY, DREAM THEATER und LED ZEPPELIN. Nach beinahe einjähriger Verspätung erschien „In Keeping Secrets“ dann endlich auch hierzulande.

Als ob C&C den Hörer nicht schon genug forderten, die Songs sind nur Medium, um ein von Claudio Sanchez erfundenes Science Fiction-Märchen zu erzählen. Eine Mischung aus Star Wars und Romeo und Julia, wie er selber sagt. So richtig den Durchblick hat da aber niemand, vermutlich nicht einmal Sanchez selber. Und, um die Verwirrung perfekt zu machen: Die Geschichte wird nicht chronologisch erzählt bzw. besungen. „Second Stage“ stellte den zweiten Teil dar, „In Keeping Secrets“ den dritten, und der diese Tage erscheinende Drittling Teil vier. Das letzte sowie das erste Kapitel folgen noch. Alles klar?



In einer gerechten Welt wären Coheed And Cambria die grösste Band des Planeten. Grösser als Metallica und U2. Aber vermutlich wollen sie das gar nicht sein. Und uns soll’s recht sein. Bleibt zu hoffen, dass sie uns noch einige unheimliche Stunden in irgendwelchen Parallel-Universen bescheren.

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